Reisebericht: Wanderung zum Kap Froward in Feuerland

Einmal zum südlichsten Punkt Amerikas …

Bereits seit fast einem Jahrzehnt reizte mich eine Trekkingtour zum südlichsten Punkt des amerikanischen Kontinents. Nunmehr bot sich mir im Anschluss an die Chile Reise mit DIAMIR Erlebnisreisen, welche in Punta Arenas endet, ein weiterer Verbleib im Süden Chiles an. Alle Infos zu Tour und Unterkunft finden Sie hier!

Der Cabo Froward Trek

Der Cabo Froward Trek. Eine Trekkingroute, die immer noch – insbesondere im deutschsprachigen Raum – weitgehend unbekannt ist. Im Gegensatz zum Torres del Paine Nationalpark trifft man hier kaum auf andere Wanderer; man ist geradezu alleine bzw. mit Guide unterwegs. Der Trek stellt eine wahre Herausforderung dar. Neben steinigen Stränden sind allein auf dem Hinweg drei Flüsse (4-5 Grad Celcius) zu durchqueren; hierbei sind stets die Tidenstände zu beachten.

Kap Froward (spanisch Cabo Froward) ist der südlichste Festlandpunkt Amerikas. Es erhielt seinen Namen (engl. froward ‚trotzig‘) im Januar 1587 von Thomas Cavendish, der es nach den Wetterbedingungen mit starken Niederschlägen und Winden benannte. Das Kap liegt auf chilenischem Staatsgebiet auf der Brunswick-Halbinsel in der Región de Magallanes y de la Antártica Chilena (Provinz Magallanes, Kommune Punta Arenas), 90 km südlich von Punta Arenas. Die Fahrt um das Kap Froward stellt den südlichsten Punkt an der Magellanstraße dar.

Das „Kreuz der Meere“

Eine besondere Sehenswürdigkeit stellt das Cruz de los Mares („Kreuz der Meere“) dar: 1987 errichtete man zu Ehren des Papstes Johannes Paul II. ein 24 Meter hohes Kreuz aus Metall. Am Hügel in 365 Metern über dem Kap stand bereits 1913 ein erstes Kreuz dieser Art, das allerdings wetterbedingt nicht mehr besteht.
Fahrt zum Kreuz der Meere

Ausgangspunkt meiner Reise zum „Ende der Welt (Fin del Mundo)“ war ein Hostel in Punta Arenas, welches von Marisol geleitet wird (Hospedaje Magallanes). Am Vorabend der Tour treffe ich mich mit unserem Guide Ruth Gombert sowie Clive, einem weiteren Teilnehmer, um die Tour zu besprechen. Der mitzunehmende Proviant nebst Zelt sowie die Campingutensilien werden unter uns Dreien aufgeteilt. Diese sind mitsamt unseren persönlichen Sachen (Kleider, Schlafsack, Isomatte, Erste-Hilfe-Set, Trekkingstöcke) im Rucksack (80 Liter) zu verstauen.

Am Morgen des darauffolgenden Tages werde ich im Hostel gegen 7 Uhr abgeholt und wir fahren mit dem Pickup von Ruth gemeinsam, soweit es möglich ist, bis wir das Ende der Straße erreichen. Von hier sind es ca. 32 km bis zum „Kreuz der Meere“.

Bepackt mit 20 kg zum Leuchtturm

Entlang des Strandes geht es über einen Zeitraum von ca. 2,5 Stunden mit etwa 20 kg Gepäck auf dem Rücken erstmal bis zum Leuchtturm. Zwischendurch machen wir kurze Pausen, wobei wir Seelöwen auf Felsen im Meer sowie Delphine beobachten können. Neben steinigem Sand, welchen wir passieren, überqueren wir kleinere Felsen, welche bedingt durch den Wechsel von Ebbe und Flut sowie Algen etc. äußerst schmierig sind.

Nach einem kurzen Besuch bei der vor Ort wohnenden Familie erreichen wir nach weiteren 2,5 Stunden unseren ersten Campingplatz. Dort schlagen wir die Zelte auf und sammeln Feuerholz für das Lagerfeuer. Jeder Teilnehmer hilft beim Aufbau sowie der Vorbereitung des Abendessens mit. Wir befinden uns nunmehr in unmittelbarer Nähe zum ersten zu überquerenden Fluss. Diesen Fluss nutzen wir auch, um unsere Trinkwasservorräte aufzufüllen. Von dem gelblich/bräunlich ausschauenden Wasser lassen wir uns nicht abschrecken: Es ist gut verträglich und schmeckt zudem sehr gut. Ein Abkochen ist nicht erforderlich. Den verbleibenden Nachmittag verbringen wir mit Kartenspielen. Am Abend erfreuen wir uns – nach einem reichhaltigen Abendessen – am Sonnenuntergang sowie dem Lagerfeuer.

 

Wir hängten unsere Rucksäcke in die Bäume

Unser Camp befindet sich in unmittelbarer Nähe zu einem alten Anwesen, das bis 1998 von einer Familie bewohnt wurde, deren Kinder montags den beschwerlichen Weg in die weit entfernt liegende Schule antraten und erst freitags wieder hierher zurückkehrten.

Am Abend prüft unser Guide noch die Tidenstände des zweiten Flusses, den wir am kommenden Tag überqueren wollen. Hiernach richtet sich auch der Zeitpunkt unseres Frühstücks, welches Ruth bereits vorbereit hat, als wir aufstehen.

Nach dem Frühstück werden die Zelte abgebaut sowie im Rucksack mit dem verbleibenden Proviant und den weiteren Sachen verpackt. Ein Teil des Essens wird in einen Tagesrucksack eingepackt und für unseren Rückweg in die Bäume gehangen. Dies ist erforderlich, da vor Ort Füchse heimisch sind, welche sich ansonsten an unserem Proviant bedienen würden.

Erste Flussüberquerung über Baumstämme

Der erste zu durchquerende Fluss ist aufgrund der rauen Natur – verbunden mit starken Winden/Stürmen und bei Regen vorherrschendem hohen Wasserstand – mit Baumstämmen angereichert, so dass wir diese zum Überqueren nutzen können.

Nach der Flussüberquerung geht es sowohl am Strand als auch durch den Wald weiter. Zunehmend müssen wir nunmehr äußerst glatte/schmierige Felsen bzw. Klippen überqueren. Wir stehen hierbei mehrfach fußtief im Meerwasser und müssen teils dicke Baumstämme überqueren bzw. uns unter diesen durchhangeln; wobei der große Rucksack hierbei eine weitere Herausforderung darstellt.

Wir schwammen durch 4 Grad kaltes Wasser

Nach ca. 3 Stunden erreichen wir dann den zweiten Fluss. Die Durchquerung stellt sich entgegen der ersten Flussüberquerung nicht so leicht dar. Aufgrund der Tiefe (wohlgemerkt Low Tide) entkleiden wir uns bis auf die Unterwäsche, verpacken den Rucksack in einen Sack und durchqueren, teilweise schwimmend den Fluss. Das Wasser stammt vom oberhalb gelegenen Gletscher und ist dementsprechend ca. 4-5 Grad kalt. Wieder ein wahres Abenteuer. Erstaunlicherweise verspürt man hiernach keine Kälte. Dies ist auch dadurch bedingt, dass man unmittelbar nach der Flussdurchquerung weiter wandert.

Das Ziel vor Augen

Die anstehende Wanderung durch den dichten Wald ist gekennzeichnet durch das Übersteigen von umgefallenen Bäumen sowie dem Versinken im Morast. Wir gehen hier über Moos bzw. Pflanzen, wobei wir oftmals bis über die Knöchel einsinken. Es hat teilweise den Eindruck, als wenn man über ein „Wasserbett“ geht.

Traumhafte Sonnenuntergänge im Camp

Nach insgesamt 8 Stunden inkl. Pausen erreichen wir dann den Platz, an welchem wir unser nächstes Camp errichten; diesmal für zwei Nächte. Dieses Camp dient als Ausgangslager vor dem Erreichen des „Kreuzes der Meere“. Auch an diesem Abend bietet sich uns ein fantastischer Sonnenuntergang. Eine Vielzahl der heimischen Vogelarten kann hier beobachtet werden.

Bei schlechter Sicht Richtung Süden

Am nächsten Tag verpacken wir nur das Nötigste in unsere Rucksäcke (Regenkleidung, Pullover etc.). Ruth trägt zudem noch den Proviant für das Mittagsessen inkl. Kocher (es gibt Chili con Carne), welches wir unterhalb des „Kreuzes“ zu uns nehmen werden. Der verbleibende Rest (Kleidung, Proviant) wird in die Bäume gehangen.

Der Weg zum „Kreuz der Meere“ (7 km) stellt sich jedoch als eine regelrechte Herausforderung dar. Über schmierige Felsbrocken geht es bei zunehmend schlechterem Wetter, verbunden mit starkem Wind, Regen und Hagel weiter Richtung Süden. Nebenbei haben wir den dritten Fluss zu durchqueren (etwas über Knöcheltiefe, dafür aber sehr kalt).

Ein Abenteuer: Am Seil über den Abhang

Das Wetter bessert sich, als wir erstmals das auf einer Höhe von 365 Metern gelegene Kreuz in der Ferne erblicken können. Ein Highlight im Verlauf des Tages stellt nun der Aufstieg in ein weiteres zu passierendes Waldstück über einen mehrere Meter hohen Abhang dar, welchen wir mittels eines herabhängenden Seiles erklimmen. Wann hat man letztmals solch ein Abenteuer erleben dürfen?!

Nach einem weiteren Marsch entlang der Magellanstrasse erreichen wir dann den Hügel, welchen es nunmehr noch zu besteigen gilt. Nach dem Durchschreiten von Morast und Matsch erreichen wir dann unser Ziel. Der Anblick des „Kreuzes der Meere“ ist dann unvergesslich und stellt den Höhepunkt der Tour dar.

Nach einem Aufenthalt von ca. 1 Stunde heißt es auch wieder Abschied nehmen. Wir treten unseren Rückmarsch an. Nach insgesamt ca. 10,5 Stunden gelangen wir wieder in unserem Camp an.

Kulinarisches Wagnis: Roher Seeigel

Am nächsten Morgen geht es dann wieder zurück an den Platz, an welchem wir vor 3 Tagen unser erstes Camp aufgeschlagen und Proviant zurückgelassen haben. Wir nehmen den Proviant auf und legen noch ein weiteres Stück zurück, um ein letztes Mal unser Camp in einer Bucht aufzuschlagen. Auch hier bietet sich wieder ein herrlicher Sonnenuntergang. Zudem haben wir das Glück, zwei einheimische Fischer zu treffen, die zuvor aus 20 Metern Tiefe Seeigel gefangen haben. Wir genießen dieses Meerestier frisch geöffnet und roh. Es ist vergleichbar mit dem Geschmack von Austern. Ein unvergessliches Erlebnis. Die Fischer haben an diesem Abend ihr Boot in unmittelbarer Nähe zu unserem Camp geankert und kommen uns abends noch am Lagerfeuer besuchen.

Am nächsten Tag geht es dann bei einer kurzen Wanderung von ca. 3 Stunden am Leuchtturm vorbei zurück zu unserem Fahrzeug.

Nach einer einstündigen Fahrt mit Zwischenstopp in einem Restaurant (Hotdog und ein großes Bier) geht es dann unter die Dusche in Marisols Hostel.

Ein unvergessliches Abenteuer geht zu Ende – am südlichsten Punkt Amerikas.

Autor: Hanno Weber

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